Wohnen
Wohnen – selbstbestimmt und bezahlbar im Alter
Hildegard ist 78. Ihre Geschichte steht für viele. Sie lebt seit über 40 Jahren in derselben Wohnung – bis zu deren Tod mit ihrer Partnerin. Hier kennt sie die Nachbar*innen, die Wege, den Alltag. Heute lebt sie allein. Die Wohnung liegt im dritten Stock. Ein Aufzug fehlt. Einkaufen wird langsam anstrengend. Kontakte werden weniger. Gleichzeitig wächst die Sorge: Was passiert, wenn sie Unterstützung braucht? Ein Umzug fällt ihr schwer. Passender Wohnraum ist knapp und teuer. Und könnte sie an einem neuen Ort offen leben?
Wohnen heißt mehr als ein Dach über dem Kopf
Eine eigene Wohnung ermöglicht Rückzug und einen selbstbestimmten Alltag. Gerade im Alter wird sie oft zum Lebensmittelpunkt. Hier entscheidet sich, ob Menschen eigenständig bleiben. Viele ältere Lesben leben allein. Freundinnennetzwerke tragen viel. Doch sie stoßen an Grenzen, wenn Pflege oder dauerhafte Unterstützung nötig wird.
Gemeinschaftliches Wohnen ist Teil lesbischer Geschichte
Die Frage, wie Lesben im Alter wohnen und leben wollen, begleitet die Bewegung seit Jahrzehnten. Schon in den 1970er- und 1980er-Jahren kämpfen viele für ein selbstbestimmtes Leben. Gemeinschaftliche Wohnformen haben dabei historische Wurzeln. Beginenhöfe im Mittelalter oder Frauenwohnprojekte der Frauenbewegung zeigen: Sie organisieren Wohnen seit jeher gemeinsam. Heute entstehen in vielen Städten neue Projekte. Andere kämpfen seit Jahren darum, umgesetzt zu werden. Gleichzeitig gilt: Nicht alle wollen oder können gemeinschaftlich wohnen. Jede Lesbe soll im Alter die Wohnform wählen können, die zu ihr passt.
Was sich ändern muss
Bezahlbarer Wohnraum bleibt zentral. Gemeinsam zu leben und zu wirtschaften, ist ebenso wichtig – im nachbarschaftlichen Miteinander.
Wo Politik und Wohnungswirtschaft gefragt sind. Sie können:
- bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum schaffen,
- gemeinschaftliche Wohnformen gezielt fördern,
- generationsübergreifende Konzepte ermöglichen,
- ökologische und nachhaltige Bauweisen stärken.
Was Lesben und alleinlebende Frauen brauchen. Dass sie:
- bis ins hohe Alter selbstbestimmt wohnen können,
- ihr Umfeld aktiv mitgestalten,
- ein geschütztes Wohnumfeld finden,
- neue Kontakte knüpfen können – auch wenn sie eingeschränkt sind,
- Alternativen zu Alleinleben oder klassischen Einrichtungen haben,
- durch gemeinschaftliches Wohnen Altersarmut begegnen können,
- auf Fachkräfte treffen, die ihre Lebensrealitäten kennen und respektieren,
- an Stadtentwicklung und Wohnraumgestaltung beteiligt werden.
Damit solche Projekte entstehen, braucht es eine verlässliche und dauerhafte Förderung.
Dafür setzen wir uns ein
Der Dachverband Lesben und Alter macht Bedarfe sichtbar, bündelt Erfahrungen aus Initiativen und Projekten. Wir bringen Perspektiven in Politik, Fachwelt und Wohnungswirtschaft ein. Wir setzen uns dafür ein, dass geeignete Rahmenbedingungen entstehen und (lesbische) Wohnprojekte realisiert werden können.