Für ein würdevolles lesbisches Altern: Forderungen zum Weltaltentag 2026
Ein würdevolles, selbstbestimmtes Alter hat viele Facetten – auch für Lesben. Anlässlich des Internationalen Tags der älteren Menschen teilt der Dachverband Lesben und Alter Forderungen an Politik und Gesellschaft. Nachholbedarf gibt es in Bereichen wie Wohnen, Rente, Pflege und Gesundheit. Angesichts aktueller Debatten mahnt der Verband: Kürzungen dürfen die Probleme für ältere Lesben in prekären Lebenslagen nicht verschärfen.
»Das deutsche Rentensystem ist patriarchal und kam schon immer verheirateten Männern zugute,« erklärt Reingard Wagner, Vorständin des Dachverbands Lesben und Alter. Das Rentensystem gehe von verheirateten Paaren aus, die zusammenlebten – eine Realität, die vielen Menschen nicht gerecht werde. So haben gleichgeschlechtlich liebende Menschen erst seit 2001 die Möglichkeit, eine Lebenspartnerschaft einzugehen.
Hinzu kommt, Erwerbsbiografien älterer Lesben waren oft von schlecht bezahlten Teilzeittätigkeiten und Diskriminierung gekennzeichnet. Lebensleistungen wie die Kämpfe um Emanzipation und der ehrenamtliche Aufbau zivilgesellschaftlicher Organisationen und Netzwerke finden sich dagegen in Rentenbezügen nicht wieder. „Ein faires Rentensystem braucht neben dem Blick voraus – der Generationengerechtigkeit berücksichtigt – einen Blick zurück“, so Wagner. „Unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft muss berücksichtigt werden – egal, ob Kinder erzogen, Pflegebedürftige gepflegt oder eine feministische NGO aufgebaut wurde.“
Unsicherheiten erleben ältere Lesben auch in den Bereichen Wohnen und Pflege. „Zur Selbstbestimmung gehört das Recht, im eigenen Wohnumfeld sicher zu sein und sensibel behandelt zu werden“, so Sabine Arnolds, Pressesprecher*in des Dachverbands. Neben bezahlbarem Wohnraum, auch in Form lesbischer und queerer Wohnprojekte, brauche es daher Schulungen für Fachkräfte, die mit älteren und pflegebedürftigen Menschen arbeiten. „Es kann nicht sein, dass Frauen, die zum Teil seit Jahrzehnten in Partnerschaft leben, in einer betreuten Wohneinrichtung wie gute Freundinnen behandelt und in ihrer Beziehung nicht ernst genommen werden.“
Der Dachverband Lesben und Alter ist mit einer Fragebogenerhebung der sozialen Lebenssituation älterer Lesben 55+ nachgegangen und hat sich an einem Report der europäischen Dachorganisation EL*C beteiligt. Der Report liegt jetzt auf Deutsch vor. Die Ergebnisse der Erhebung spiegeln sich in den folgenden Forderungen wider.
Zentrale Forderungen des Dachverbands Lesben und Alter
Für eine Wohnpolitik, die lesbische Realitäten mitdenkt:
- Lesbische und queere Wohnprojekte fördern.
- Intergenerationales Wohnen ermöglichen.
- Sozialwohnungen gezielt ausbauen.
- Gemeinschaftliches Wohnen fördern, um Einsamkeit entgegenzuwirken.
- Neue Wohnformen im Alter unterstützen.
Für eine faire finanzielle Absicherung älterer Lesben:
- Ein nicht-patriarchales, gerechteres Rentensystem für alle.
- Vollzeitstellen mit fairer Bezahlung.
- Schutz vor Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz.
- Anerkennung der Lebensleistung älterer Lesben.
Für den sensiblen Umgang mit älteren Lesben in Pflege, Gesundheit und Altenhilfe:
- Verpflichtende Schulungen/Fortbildungen für Pflege- und Fachkräfte.
- Zertifizierte Einrichtungen mit Diversitätskompetenz.
Zwei Veröffentlichungen des Dachverbands Lesben und Alter für vertiefende Einblicke
Ergebnisse der bundesweiten Fragebogenerhebung „Würdevolles Altern. Zur sozialen Lebenssituation älterer/alter Lesben* in Deutschland.“
Bericht der EuroCentralAsian Lesbian* Community – EL*C: „Die Unsichtbaren sichtbar machen. Eine Analyse gelebter Erfahrungen älterer Lesben“
Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Kontakt
Sabine Arnolds | Gesamtprojektleitung und Pressesprecher*in
+49 (0)170 6539266
sabine.arnolds@lesbenundalter.de