„Wie wir wurden, was wir sind. Lesbisches Leben im Alter“.

22. November 2017

Dachverband Lesben und Alter veranstaltete vom 17. bis 19.11.2017 siebte bundesweite Fachtagung

80 Fachfrauen und Multiplikatorinnen aus allen Teilen Deutschlands nahmen an der 7. bundesweiten Fachtagung in Berlin-Spandau teil, zu welcher der Dachverband Lesben und Alter eingeladen hatte. Unter dem Titel „Wie wir wurden, was wir sind“ konzentrierte sich der diesjährige Austausch auf die Themen Biografische Prägung und selbstbestimmtes Altern.

In seinem engagierten Grußwort würdigte Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Leistungen des Dachverbandes, der die besonderen Problemlagen lesbischer Frauen im Alter sichtbar mache. „Sie setzen sich für die Rechte von Frauen, Homosexuellen und älteren Menschen ein. Deshalb sind wir selbstverständlich an Ihrer Seite“, so Staatssekretär Dr. Kleindiek, dessen Ministerium seit 2015 Projekte des Dachverbandes fördert.

Lisi Maier, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, freut sich auf einen anregenden Austausch. Die lesbische Perspektive, so räumte sie in ihrem Grußwort ein, sei nicht immer so selbstverständlich präsent. Die Einladung zur diesjährigen Tagung des Dachverbandes Lesben und Alter sehe sie als viel versprechenden Auftakt für künftige Vernetzungsaktivitäten zwischen beiden Verbänden.

In ihrem aufrüttelnden Eingangsreferat erläuterte Dr. Kirsten Plötz aktuelle Forschungsergebnisse zu einem in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Thema. Sie berichtete von Repressionen gegen lesbische Mütter, die seit der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre aufgrund ihrer Lebensweise das Sorgerecht für ihre Kinder verloren. Wieviel Angst allein durch einen angedrohten möglichen Kindesentzug ausgelöst wurde, wussten einige der anwesenden Frauen aus persönlicher Erfahrung zu berichten. Der Dachverband Lesben und Alter wird sich 2018 verstärkt dafür einsetzen, dass dieses
düstere Kapitel bundesdeutscher Nachkriegsgeschichte erforscht und politisch aufgearbeitet wird.

Inwiefern eine selbstbestimmte, unangepasste Biografie Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Lesben und auch auf deren Lebensgestaltung im Alter hat, beschrieb Dr. Marie Sichtermann in ihrem essayistischen Vortrag, der besonders auf die Zeitgenossinnen der autonomen Frauenbewegung Bezug nahm. Um die Bedeutung als auch Gefährdung lesbischer Sichtbarkeit ging es in den Podiumsbeiträgen der Journalistin Stephanie Kuhnen und der Historikerin Babette Reicherdt.

Politik und persönliche Lebenserfahrung spielten im gesamten Tagungsverlauf eine spürbare Rolle. In vertiefenden Workshops wurde über Rentenpolitik, Hilfen im Alter, Seniorenarbeit und Archive für Lesbengeschichte diskutiert. Die Ergebnisse werden in die künftige verbandliche Arbeit einfließen.

Adressiert an Dr. Dirk Behrendt , Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, der seine Teilnahme kurzfristig absagen musste, und an weitere Akteure, verabschiedeten die Tagungsteilnehmerinnen zum Abschluss einstimmig ein unterstützendes Votum für die Errichtung des in Berlin seit langem geplanten Frauen- und Lesbenwohnprojektes. (cb)

 

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