Dachverband Lesben und Alter befragt Spitzenkandidat_innen zu geschlechtergerechter Alterssicherung

13. Juni 2017

Bundestagswahl 2017: Wahlprüfsteine und Vorschläge für die eigenständige soziale Sicherung von Frauen im Alter veröffentlicht

Der Dachverband Lesben und Alter schaltet sich mit eigenen Forderungen und Wahlprüfsteinen an die Spitzenkandidat_innen der sechs großen Parteien in den Bundestagswahlkampf ein. „Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, die geschlechterpolitischen Festlegungen der Regierung Adenauer zu überwinden“, meint Jutta Brambach, Sprecherin des Dachverbands Lesben und Alter. Eine Alterssicherung, die immer noch auf dem Prinzip des männlichen Ernährers beruhe, sei nicht länger hinnehmbar.  Für ein würdevolles Leben von Frauen im Alter sei es vielmehr unabdingbar, dass es eine eigenständige soziale Sicherung für Frauen im Alter gibt.

Geschlechtsspezifische Entlohnung = weniger Rente für Frauen

Im Einzelnen stellt der Dachverband Lesben und Alter fest, dass die geschlechtsspezifische Ungleichheit in der Erwerbsarbeit in die Altersruhegelder verlängert wird. Deshalb seien Maßnahmen notwendig, um die Gesetzliche Rentenversicherung zu stärken und deren Drei-Säulen-Modell zugunsten eines Modells mit Sockelbetrag und leistungsbezogener Aufstockung zu reformieren sowie für alle Erwerbstätigen verpflichtend zu machen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Durchschnittseinkommen von Frauen immer noch wesentlich geringer ist als das von Männern, muss nach Ansicht des Dachverbands der Gender-Pay-Gap und der Gender-Pension-Gap überwunden werden. Gleichzeitig müsse die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Erwerbsarbeit ausgeglichen werden.

Frauenspezifische Erwerbsarbeit berücksichtigen

Das Mustereinkommen, das der Altersrente zugrunde liegt, müsse zukünftig nach Geschlechtern getrennt berechnet werden. Zudem sollten die unentgeltlichen Leistungen von Frauen in der Sorgearbeit und Kindererziehung bei berechnungsrelevanten Zeiten stärker und gerechter berücksichtigt werden. Auch sei eine geschlechtsspezifisch an die Lebensarbeitszeit angepasste und entsprechende abgesenkte Höhe der derzeit 45 notwendigen Beitragsjahre erforderlich. Schließlich schlägt der Dachverband vor, das Rentensplitting in Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft zum gesetzlichen Normalfall zu machen, um gering Verdienenden in Partnerschaften eine eigenständige Existenzsicherung im Alter zu ermöglichen.

„Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Veränderungen gegebenenfalls eine finanzielle Umverteilung erfordern“, so Jutta Brambach. Eine finanzielle Mehrbelastung der Gesetzlichen Rentenversicherung könne unter anderem mit Steuermehreinnahmen durch die Abschaffung des Ehegattensplittings ausgeglichen werden. Die neue Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass ein allgemeiner Rentenanspruch mindestens in Höhe der Grundsicherung realisiert wird.

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