Wohnen, Teilhabe und lebensweltorientierte Senior*innenpolitik essenziell für ältere LSBTIQ*

Fachtagung „Ältere Lesben und Schwule in Senior*innenarbeit und Quartiersentwicklung“

Welche Orte und Angebote stehen Lesben, Schwulen und Trans* im Alter zur Verfügung, und wie funktioniert queere Quartiersentwicklung? Diese und weitere Fragen diskutierten 43 interessierte Expert*innen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden auf der Fachtagung „Ältere Lesben und Schwule in Senior*innenarbeit und Quartiersentwicklung“ am 15./16.11. in Köln. Veranstaltet wurde die Fachtagung durch den Dachverband Lesben und Alter in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund NRW. Der Wohlfahrtsverband ist seit 2016 mit dem LSBTIQ*-Netzwerk "Vielfalt im ASB" aktiv.

"Alter wird nicht mehr ausschließlich heterosexuell gedacht," konstatierte Carolina Brauckmann, Vorstandsfrau des Dachverband Lesben und Alter, zum Einstieg der Veranstaltung. "Anbieter wie der DPWV oder die AWO, aber auch kommunale Träger machen sich auf den Weg, die 'neue' Zielgruppe LSBTIQ* zu erreichen. Das ist ein Verdienst der Community. Denn die ist es gewohnt, für die eigenen Interessen zu kämpfen." Auf der anderen Seite kann sich in der LSBTIQ*-Community unter Senior*innenarbeit kaum jemand etwas vorstellen. "Dabei sind es gerade diese Angebote, die soziale und kulturelle Teilhabe in einer Lebensphase ermöglichen, in der sich viele Menschen zurückziehen", schloss Brauckmann ihr Eingangsstatement.

In seinem Impulsreferat verbuchte Frédéric Lauscher, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Verbandes, das Café Karussel, ein Treffpunkt für Schwule der Generation 50plus, als Erfolg einer modernen selbstorganisierten Senior*innenarbeit. Auch ältere Frankfurter Lesben könnten solche Angebote mit einer bezahlten Honorarkraft gestalten. Bislang würde diese aber noch nicht angenommen.

Birgit Erlenbruch, zuständig für die lesbische Altersvernetzung im Kölner rubicon, zeichnete ein anderes Bild. Sie beschrieb eine Vielzahl von Angeboten, denen vor allem eines gemeinsam ist: Die Freude an gemeinschaftlichen Aktivitäten. Christof Wild vom Paritätischen Köln berichtete mit Bezug auf die Seniorennetzwerke der Stadt von den zögerlichen, aber letztlich erfolgreichen Annäherungen zwischen homo- und heterosexuellen Senior*innen.

Auf dem Podium diskutierten Ina Rosenthal, Geschäftsführerin der Berliner Lesben-Beratungsstelle RuT – Rad und Tat, Bernd Plöger von der AWO Düsseldorf und Martina Houben vom Quartierstreff 50 plus in Bochum ihre Erfahrungen mit einer LSBTIQ*-bezogenen Quartiers- und Senior*innenarbeit. Die These, Lesben brächten sich nicht ein, wurde vor allem seitens des lesbischen Publikums kritisch hinterfragt.
Bereits erfolgreich umgesetzte und in Planung befindliche Wohnprojekte waren das bestimmende Thema am zweiten Tag. Auf Grundlage der Impulsreferate diskutierten die Teilnehmenden Voraussetzungen, Erfolge und Probleme der Projekte. Andrea Acker, Vorsitzende von Queer im Quartier e.V., erzählte von der Genese des ersten queeren Wohnprojekts in Mainz. In Rekordzeit brachten der Verein mit Stadt und Wohnungswirtschaft das Objekt an den Start. Bezugsfertig wird es Februar 2020. Lisa Weiß und Vera Ruhrus berichteten über die Kölner villa anders. Das bundesweit erste LSBTIQ*-Wohnprojekt feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Eine Besichtigungstour mit Einblick in zwei Wohnungen der villa und einem Überraschungskuchen im Gemeinschaftsraum rundete die Fachtagung ab.

"Bezahlbares Wohnen, soziale Teilhabe und eine lebensweltorientierte Senior*innenpolitik sind Schwerpunkt-Themen, die der Dachverband Lesben und Alter e.V. gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartner*innen weiter vorantreiben wird", verspricht Vorstandsfrau Carolina Brauckmann.

 

Bildunterschrift: Die Referent*innen der Fachtagung „Ältere Lesben und Schwule in Senior*innenarbeit und Quartiersentwicklung“ am 15./16.11. in Köln.
Fotohinweis: © Archiv DVLuA/Sabine Arnolds

Hintere Reihe von links: Frédéric Lauscher (Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e.V., Vorstandsvorsitzender) Ina Rosenthal (Geschäftsführerin RuT-Rad und Tat , Offene Initiative Lesbischer Frauen e.V., Berlin), Christof Wild (Der Paritätische, Offene Senior*innenarbeit, Kreisgruppe Köln), Birgit Erlenbruch (Koordination lesbische ALTERnativen, rubicon e.V.), Georg Roth (Vorstandsvorsitzender BISS e.V.).
Vordere Reihe von links: Lisa Weiß (Initiatorin und Bewohnerin Wohnprojekt „villa anders“, SchwulLesbisches Wohnen e.V., Köln), Carolina Brauckmann (Vorstand Dachverband Lesben und Alter e. V.), Andrea Acker (1. Vorsitzende Queer im Quartier e.V., Mainz), Martina Houben (Seniorenbüro Nord, Quartierstreff 55+), Sabine Thomsen (Vorstand Dachverband Lesben und Alter e. V.), Vera Ruhrus (Vorstand und Bewohnerin Wohnprojekt „villa anders“, SchwulLesbisches Wohnen e.V., Köln)