Frauenpolitischer Supergau – Ungleichheit der Geschlechter in Berlin wird zementiert

Die Entscheidung zur Vergabe der Schöneberger Linse ist gefallen: das RuT Lesbenwohnprojekt, das durch eine große Solidaritätswelle zum Symbol für Geschlechtergerechtigkeit und lesbische Sichtbarkeit in Berlin geworden ist, steht vor dem Aus. Das Grundstück Schöneberger Linse wird der Schwulenberatung Berlin zugesprochen.

Regenbogenhauptstadt ohne Lesben

Ende November 2017 hatte das RuT mit seinem guten Konzept die Ausschreibung bereits gewonnen und das Grundstück von der BIM (Berliner Immobilien Management) zugesprochen bekommen. Die Freude bei den zukünftigen Bewohnerinnen und den Initiatorinnen war groß. Doch nachdem ein Mitbewerber, die Schwulenberatung Berlin, gegen diese Entscheidung Widerspruch eingelegt hatte, musste das Verfahren neu aufgerollt werden. Der Grund für diesen herben Rückschlag war ein Verfahrensfehler, der für die drei letzten Bewerber_innen eine zweite, teure Bewerbungsrunde nach sich zog.

Nicht nur die Frauen vom RuT, auch ein großer Teil der queeren Community fordern endlich einen Ort zum Leben und Wohnen, einen Ort sichtbarer Teilhabe lesbischer Frauen und queerer Menschen. Insofern auch ein Schlag ins Gesicht der Community. Eine Petition von Change.Org, die kürzlich dem Regierenden Bürgermeister übergeben wurde, hat inzwischen über 18.000 Unterschriften zur Unterstützung des RuT-Wohnprojektes gesammelt. „RuT kämpft seit einem Jahrzehnt für das Projekt „FrauenKultur&Wohnen“ – 80 günstige Wohnungen, barrierefrei und mit Balkon, dazu Pflegestation, Kiez-Café, Pflege-WGs, und all das im Herzen Berlins. Ein solcher Ort gelebter Selbsterhebung, lesbischer Biografien und queerer Stadtgeschichte wäre der erste seiner Art in Europa.“ (Zitat Change.org)

Frauen werden mal wieder auf ihren Platz verwiesen. Ein eindeutiges Signal für lesbische Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit in der Stadt ist vertan.