Bundesweite Interessenverbände für ältere Lesben und Schwule erstmals auf Deutschem Seniorentag

Der BAGSO-Vorsitzende Franz Müntefering mit den Vorständen von Dachverband Lesben und Alter e.V. und BISS e.V. Copyright: privat.

Bundespräsident Walther Steinmeier würdigt die Präsenz von Lesben und Schwulen
Lesben und Schwule appellieren an die Seniorenpolitik und fordern gesellschaftliche Teilhabe

Erstmals beteiligten sich die bundesweiten Interessenverbände für ältere Lesben  und Schwule – Dachverband Lesben und Alter e.V. und BISS e.V. – am Deutschen Seniorentag. Er fand dieses Jahr unter dem Motto „Brücken bauen“ vom  28. bis 30. Mai 2018 in den Dortmunder Westfalenhallen statt. Mit eigenen Messeständen und Angeboten bereicherten die Verbände das umfangreiche Veranstaltungsprogramm, das insgesamt knapp 15.000 Besucherinnen  anlockte.

Alt-sein wird anders

In seiner Eröffnungsrede stellte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier fest: „Wie anders Alt-Sein geworden ist, zeigen manche Programmpunkte dieses Seniorentages. Da gibt es zum Beispiel ‚Interkulturelle Trainings in Theorie und Praxis‘, ‚Unterwegs am anderen Ufer. Ältere Lesben und Schwule in der Seniorenarbeit‘ oder ‚Gipfelstürmer 60+: Digital-Kompass für Internet-Lotsen‘.“

BISS e.V. und der Dachverband Lesben und Alter e.V. vertreten mindestens 800.000 ältere Homosexuelle ab 65 Jahren. Die Verbände sind inzwischen Mitgliedsorganisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO e.V.). Die größte  Lobby älterer Menschen in Deutschland ist Ausrichterin des Deutschen Seniorentages, der alle drei Jahre in wechselnden Städten durchgeführt wird. BAGSO-Vorsitzender Franz Müntefering würdigte ausdrücklich den seniorenpolitischen Einsatz der beiden neuen Mitgliedsorganisationen: „Lesben und Schwule sind beim Deutschen Seniorentag in Dortmund mit dabei. Sie mischen sich ein und machen mit. Ich danke dem Dachverband Lesben und Alter und der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren für ihr Engagement.“

Die Perspektive älterer lesbischer Frauen einbringen

Das Motto des Seniorentags „Brücken bauen“ brachte auch das Anliegen des Dachverbands auf den Punkt. Vorstandsfrau Jutta Brambach betonte: „Als noch junges Mitglied in der Lobby der Älteren möchten wir aus der Perspektive älterer lesbischer Frauen die Brücke zu Seniorenarbeit und Engagementpolitik schlagen.“

Um Brückenbau ging es auch im gut besuchten  Workshop „Unterwegs am anderen Ufer – Ältere Lesben und Schwule in der Seniorenarbeit“. 35 ältere Lesben und Schwule aus Dortmund, Düsseldorf, Hamburger, Berlin und Köln sowie 14 Mitarbeitende aus Altenarbeit und Pflegeausbildung tauschen sich über die besonderen Bedarfe älterer Homosexueller aus und erzählte von gelungenen  Beispielen einer modernen kommunalen Seniorenarbeit. Der Erfolg dieses von BISS e.V. und dem Dachverband Lesben und Alter e.V. angebotenen Workshops beruht nicht zuletzt auf der 6-jährigen Fach- und Vernetzungsarbeit der Landesfachberatung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Seniorenarbeit in NRW.

Positionspapier „Ältere Lesben und Schwule fordern gesellschaftliche Teilhabe“ veröffentlicht

Im Rahmen einer Pressekonferenz wandten sich der Dachverband Lesben und Alter e.V. und BISS e.V. mit Forderungen an die Träger von Seniorenarbeit und Engagementpolitik. Im gemeinsamen Positionspapier „Ältere Lesben und Schwule fordern gesellschaftliche Teilhabe“ appellieren sie  an die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen, gute Rahmenbedingen für ein diskriminierungsfreies Altern zu schaffen. Viele heterosexuell lebende Menschen über 60 Jahre, so die Begründung, haben wenig Erfahrung im Umgang mit Lesben und Schwulen und werten diese deshalb öfter ab als Jüngere. In Alters- und Pflegeeinrichtungen sei Homosexualität immer noch ein schwer zu besprechendes Thema. Die Verbände appellieren daher an die Verantwortlichen, die Lebenslagen von  älteren Lesben und Schwulen in ihren Einrichtungen und  in der kommunalen Sozialplanung zu berücksichtigen.

Dass es auch um Potenziale geht, die engagierte ältere Lesben und Schwule in die Gesellschaft einbringen, brachte Schauspieler Klaus Nierhoff auf den Punkt: „Die Generation der älteren Schwulen und Lesben, die sich seit den Zeiten der Frauen- und Schwulenbewegung für Gleichberechtigung einsetzt, steht für ein selbstbestimmtes, würdiges Bild des Alterns. Darauf können wir stolz sein!“